Mein 'morgen' ist also mal wieder ein 'in einer Woche' geworden. Ich fürchte, das passiert mir öfters. Allerdings hatte ich diesmal zumindest einen guten Grund - ich durfte die Diplomarbeit meines Freundes korrekturlesen. Und als er sie Mittwoch endlich abgegeben hatte, war ich so froh, dass er endlich wieder Zeit hat.. nunja, ich habe nicht viel Zeit im Internet verbracht.
Zurück zum historischen Tanz. Der übrigens der Grund war, dass ich Sonntag nicht im Internet war: wir hatten Training für einen Auftritt auf dem Renaissancefest auf Schloss Dyck. Und das Training war zum einen auf Schloss Dyck, wo man von hier aus schon so ne knappe Stunde hinfährt, und dauerte zum anderen doch recht lange. (Und 60% waren die Pavane la Battaglia! Ich kann sie nichtmehr hören! ^^)
Diese Probe wurde auch erst eine Woche vorher angekündigt, was dazu führte, dass ich mir innerhalb von fünf Tagen Tanzschuhe besorgen musste. Weil ich ja so gern Schuhe kaufe. Und noch dazu natürlich von jetzt auf gleich ein Paar Schuhe finanzieren kann.
Gut, war nicht so dramatisch, da die Wahl recht leicht fiel (Samttreter. Wollte ich eh schon seit ein, zwei Jahren mal welche gekauft haben) und die auch nicht sonderlich teuer sind.
Allerdings gab es den einen Laden in Bonn, in dem man die kriegt, nichtmehr und der andere Laden hatte sie nicht in 40. Und 41 passt mir zwar üblicherweise, aber diese Schuhe fallen groß aus. Und nicht groß genug, dass ich 39 hätte nehmen können. Also habe ich, nachdem die nette Dame mir sagte, dass sie die in der Woche nichtmehr geliefert kriegen, die Schuhe in Größe 41 genommen und beschlossen, darin dicke Socken zu tragen (woraus dann zwei Paar Füßlinge übereinander wurden. Was übrigens bescheiden aussieht, wenn das obere Paar das Nike-Logo direkt überhalb des Riemchens hat).
Und dann erwähnte ich, dass ich die für historischen Tanz brauche und sollte erzählen, was das denn ist. Jaaaa... aaaalsoooo... ne. Historische Tänze eben. So von früher, was die früher getanzt haben. Pavanen, Playfords.. Mist. Die Grundbegriffe sind nicht bekannt. Argh, wie erkläre ich das, ohne einen schlecht vorbereiteten zwei-Stunden-Vortrag zu halten? Ich habe das dann nicht wirklich erklärt und nur ein paar Minuten was über Playford erzählt und dass es noch andere Tänze gibt. Ich glaube nicht, dass die beiden (inzwischen waren es zwei) netten Damen wirklich viel verstanden haben. Aber vielleicht habe ich ja ihr Interesse geweckt und sie informieren sich mal und vielleicht finden sie damit auch zum historischen Tanz. Oder sie vergessen es einfach und dann ist auch kein Schaden entstanden.
Jedenfalls ist mir da aufgefallen, dass ich keine Ahnung habe, wie ich jemandem etwas über historischen Tanz erzählen soll, der noch nichts davon weiß.
Wo fängt man an? Wie allgemein bleibt man, bzw. wie speziell wird man?
Und mir fällt auf, wo ich alles Lücken habe - ich weiß kaum etwas darüber, welche Tänze in welche Epochen gehören (mal abgesehen von Playford, bei dem ich ungefähr weiß, wann die Bücher rauskamen) und welche Tänze man in welchen Ländern getanzt hat. Mir ist noch nicht einmal bei allen Tänzen klar, welche Schichten die getanzt haben. Gibt es da eigentlich irgendwo sowas wie nen Kurs zu? Ich bin so schlecht darin, mir nebenbei gegebene Informationen zu merken. Und ich sollte mich eigentlich auch nicht damit beschäftigen, wenn ich was lernen will.
Zum historischen Tanz gekommen bin ich durch meine Schwester und eine gemeinsame Freundin.
Ich dachte immer, ich könne nicht tanzen - in der Schule hatte ich Standardtanz im Sportunterricht und fand es sehr frustrierend: ich habe ewig gebraucht, um mir die Schritte zu merken und musste sie immer lange ohne Musik üben und wenn dann die Musik angemacht wurde, konnte ich nicht hören, wo diese Zahlen sein sollen, die sie mir darauf vorzählen, auf die ich die Schritte machen soll. Ich bin nie wirklich zum Tanzen gekommen und es war grauenhaft.
Und so hatte ich mich damit abgefunden, dass ich halt kein Gefühl für den Takt habe und nicht tanzen kann, auch wenn ich mich eigentlich gern zu Musik bewegt hätte.
Dann fingen oben genannte Freundin und meine Schwester an mit historischem Tanz und diese Freundin hat auf einer Feier, die sie ausgerichtet hat, einmal angefangen, ihren Gästen ein oder zwei historische Tänze beizubringen. Es war toll - die Schritte waren einfach und man konnte nach einer Erklärung einfach die Musik anmachen und tanzen.
Ich glaube, der erste Tanz, den ich lernte, war der Traubentritt - zu dem es eine gesungene Tanzanleitung gibt und der wirklich recht einfach ist. Auch die Tourdion - der (meiner Ansicht nach) simpelste der historischen Tänze - habe ich bei ihr gelernt und einen der zu der Zeit als schwierigsten erachteten, der inzwischen zum Standardrepertoir gehört, die Indian Queen.
Und weil das Spaß gemacht hat und ich eine Diät anfing, zu der ich auch mit Sport anfangen wollte, habe ich mich von meiner Schwester zu den Tanzgruppen hier in der Nähe (in Rodenkirchen und Meckenheim) mitnehmen lassen (allein hätte ich mich nicht getraut - dazu bin und besonders war ich zu schüchtern).
Inzwischen bin ich seit über einem Jahr dabei (Januar 2009 habe ich angefangen) und mache auch bei Auftritten mit. Ich habe so etwas Ähnliches wie ein Gefühl für den Takt entwickelt; ich kann ihn nicht unbedingt immer hören, aber ich kann, wenn ich am Anfang finde, wo ich zählen muss, das ganze Stück durch zählen - was schon sehr hilfreich ist. Ich kann auch inzwischen einige Tänze auswendig und kann sie erklären und bin weniger schüchtern (wenn auch immernoch ziemlich).
Soviel zu historischem Tanz. Nicht viel, ich weiß, und nicht viel mehr als eine Eindrucksbeschreibung, in der ein, zwei Begriffe fallen, die mit historischem Tanz zu tun haben. Aber es ist das, was für mich wichtig ist - und wozu sollte ich das andere aufschreiben. Darüber gibt es sicherlich genug Webseiten.
Vielleicht schaffe ich es dieses Wochenende ja, mehr zu schreiben (zumindest zu Tee und Handarbeiten sollte ich ja noch je einen Artikel verfassen), aber ich würde nicht darauf vertrauen - morgen fahren wir gen Süden, erst in deren Haus und übermorgen dann zu meinen Großeltern und dann ist das Wochenende/sind die Feiertage auch schon wieder vorbei. Danach habe ich zwar noch immer frei, aber dann habe ich eben doch nicht geschafft, 'dieses Wochenende' noch zu schreiben.
Sonntag, 4. April 2010
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1 Kommentar:
Unsere Tourdion ist aber nicht die "echte" Tourdion, ne? Letztere ist mehr so ein Galliarde-mäßiger Hoppetanz; auch so Arbeau oder Zeitgenosse, glaube ich.
Das ist überhaupt was, womit man wahnsinnig aufpassen muss bei den Zaros: die haben sehr viel Larp-Dinge dabei und unterscheiden auch selbst nur bedingt zwischen historischem und ambientigem Tanz. Und historischen und ambientigem Drumrum. Die Daumenregel z.B. hab ich auch erstmal als historische Tatsache hingenommen und - peinlich, peinlich - als solche verbreitet.
Und das ist auch etwas, womit ich mich sehr viel auseinandersetzen müssen werde (werden muss?), wenn ich tatsächlich einen Workshop aufziehe - Tanzgeschichte ist eins von diesen Dingen, die mich zwar wahnsinnig interessieren, von denen ich aber viel zu wenig Ahnung habe. Und es ist auch nicht einfach, dazu vernünftige Literatur zu finden. Es gibt zwar Bücher über Tanzgeschichte, aber die sind im Zweifelsfalle sehr allgemein gehalten und handeln die für mich interessanten Zeitabschnitte nur sehr grob und nebenher ab - teilweise, um sich dann mehrere Kapitel lang über modernes Ballett oder sowas auszulassen. Und alle so: "Yeaahh". -_-
Neuauflagen historische Tanzbücher wie z.B. des "Dancing Masters" oder des "Tanzbärs" haben aber bestimmt kleine Einführungstexte, die dir ein bisschen Überblick über den historischen Kontext geben. Weiß ich nicht, vermute ich aber. Frag halt mal wen. Den "Tanzbär" hat glaub ich sogar irgendeine StaBü-Filiale (vermutlich die Musikbibliothek), wollt ich immer mal ausleihen und hab nie die Kurve gekriegt.
Im Großen und Ganzen läuft es darauf hinaus, dass man sich die Informationen in kleinen Stückchen zusammensuchen muss. Mühsam nährt sich das liebe Jesulein.
Grob gefasst (und ohne Gewähr): Playford: gehobene Mittelschicht, Arbeau und Quattrocento: höfisch. Das meiste andere: LARP ;p
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